Hintergrund
Seitdem wir permanent in Perth leben, haben sich einige Dinge gewandelt. So auch unsere Hobbys und Leidenschaften. So war es unser Ziel uns in neuen Sportarten weiter zu entwickeln. Statt auf der Judomatte zu kämpfen, wurden Rollschuhe und Tanzschuhe hervorgeholt. Während Jenny sich sehr weit in ihren Fähigkeiten auf den Rollen entwickelt hat, meldete ich mich bei einer commercial dance class an. Die moderne Mischung aus zahlreichen Tanzstilen war eine ordentliche Herausforderung für mich, die zum Ende des Jahres mit einem dance concert auf der in Perth größtmöglichen Bühne gekrönt wurde.
Dance Class
Das ganze Jahr über ging ich einmal die Woche zum Tanzen und lernte viele coole Choreographien. Nach einem halben Jahr fingen wir an viele kleine Choreographie zusammen zu bringen, die letztendlich zu unserem finalen Auftritt werden sollten. Das Thema unseres Tanzes lag mir sehr am Herzen: Reisen!
Schließlich hatten wir eine sehr brillante Nummer für die Vorstellung im Crown Theater. Unter anderem inkludierten wir Tänze zu Ländern wie Indien, Frankreich und USA. In den letzten Wochen bekam ich dann noch eine kleine extra Rolle, die das jeweilige Land zwischen den Liedern vorstellen sollte. Klischeehafter Weise durfte ich Italien mit einem Pizzakarton repräsentieren.
Blocking Day
In den letzten Wochen vor dem Konzert wurde ich ein wenig genervt von diesem Thema. Ursprünglich hatte ich mich gefreut, aber Tanzschulen waren neu für mich und ich hatte die Preise und sehr spezifischen Anforderungen, wie Schuhe in bestimmten Farben oder Outfits für bestimmte Proben unterschätzt. Ich lebe immer noch mit meinem Reisemindset und habe dementsprechend nicht alle möglichen Kleidungsstücke im Überfluss. Für die komplette Probe des Konzerts wurde ein Sonntag geblockt und ich arrangierte die gewünschten Outfits.
Am Blocking Day änderte sich meine Genervtheit zur Vorfreude, weil es einfach aufregend war ein Teil von solch einer coolen Gemeinschaft zu sein. Die einzelnen Stücke brachten mir Freude und Inspiration. Mir fehlten die Worte für die Ästhetik der Kunstwerke und das Talent der Tänzer. Ich sah, warum ich dieses Hobby angefangen hatte und wo ich damit hin wollte. Der Auftritt unserer Gruppe vor den restlichen Tänzern des Tanzstudios hatte einfach sehr viel Spaß gemacht.
Concert Day
Das Konzert “Pure Joy” sollte Abends um 19.30 Uhr losgehen. Doch mein Tag fing schon um 12.40 Uhr an. Ich erreichte das Theater mit dem Auto und konnte es kaum glauben, dass ich auf der selben Bühne auftreten würde wie sehr talentierte Darsteller von den großen Musicals. Meine Taktik planlos zu sein und jemanden aus meiner Gruppe zu finden ging auf und zusammen suchten wir den Eingang. Ich kam für alle Fälle vorbereitet, dank Jenny. Gleich zwei Taschen hatte ich dabei mit Essen, Kleidung und Getränken.
Am Eingang gab es einen schnellen Check-in und dann kam für mich schon der Part auf den ich hingefiebert hatte, ich konnte mir ein eigenen Einblick hinter die Bühne verschaffen. Rechts und links hinter der Bühne gab es überwiegend nur Umkleiden für die Darsteller. Über einen schmalen Flur mit Postern von allen Musicals die in Perth stattgefunden hatten ging es zu einem Durchgang, wo ich von der rechten Seite zur linken Seite der Bühne gelangte. Dort sah ich dann wie weit nach hinten die gesamte Bühne reichte und vier bis fünf Eingänge auf jeder Seite der Bühne existieren. Da konnte ich mir gut vorstellen wie die Bühnenbilder bei Musicals durch die Seiten reinfuhren.
Die Aufteilung in rechts und links diente der Aufteilung der Schwierigkeitsgrade. Links waren die Beginner und rechts die Fortgeschrittenen und Profis. Letztendlich bekamen die Männer der Beginner nur einen sehr kleinen Raum zur Verfügung gestellt. Somit war es zwischendurch echt eng dort. Folglich vermied ich den Raum in meiner freien Zeit.
Der Tag bestand aus drei Durchläufen. Als erstes in schwarzen Klamotten ein Kennenlernen der Bühne. So hatten die Choreographen die Chance Kleinigkeiten zu korrigieren, die mit einer großen Bühne einhergingen. Danach wurde das ganze Konzert in Kostümen durch geprobt und am Ende kam das tatsächliche Konzert vor Zuschauern.
Erste Probe
Die erste Probe war sehr aufregend, zum ersten Mal auf der großen Bühne stehen! Einige Korrekturen halfen der Gruppe sich besser auf der Bühne zu verteilen und es lief sehr gut.
Nach unserem Durchlauf hatten noch einige Gruppen nach uns das gleiche Erlebnis und am Ende wurde das Finale mit allen Tänzern geübt. Für mich persönlich war das Finale nicht wirklich gut organisiert, da wir die Choreo dafür recht spät bekamen. Letztendlich stellte ich mich weit nach hinten, um unter zahlreichen Tänzern in der Masse zu verschwinden.
Generalprobe
Nach einer Pause gab es die Generalprobe mit allen Auftritten in Kostümen. Diese wurde auch für den Videographen genutzt, so dass es am Ende coole Aufnahmen aus nächster Nähe gab. Da meine Gruppe relativ spät im Programm dran war setzte ich mich in die erste Reihe ins Theater und schaute mir jedes Stück an. Die meisten Auftritte hauten mich um und statt Aufregung zu fühlen, hatte ich nur Vorfreude, weil es Spaß machte ein Teil dieser Gruppe zu sein. Jeder Tanz war Kunst für sich und jeder Tänzer brachte seine ganz eigene Energie mit, die ich beim zuschauen fühlen konnte. Ich sah, wo mich dieses Hobby noch hinbringen könnte, die Fähigkeit eine Geschichte mit Musik und Bewegung zu erzählen. Kunst ist solch ein Geschenk in einer viel zu ernsten Welt. Ich verlor mich in meiner Begeisterung, das Konzert war für mich wie ein gutes Buch, wo man eintaucht und immer weiter liest, um raus zu finden wie es ausgeht.
In unserem kostümierten Durchlauf ist nicht viel aufregendes passiert. Ich habe einen kleinen Fehler gemacht, aber dafür ist die Generalprobe ja da. Außerdem wurde noch an einer kleinen Einlage für mich getüftelt, die relativ spontan entstand. Dies war das Einzige, was mich ein wenig verunsicherte, weil es immer irgendwie anders sein sollte. Unser Auftritt war thematisch aufs Reisen bezogen und ich sollte mit einer Requisite Italien darstellen. Jedoch wurde diese kleine Vorstellung erst sehr spät bei den Proben hinzugefügt und weder ich noch die Choreografin waren so richtig happy damit.
Ein Moment der Ruhe
Nach der letzten Probe gab es eine Pause, wo die Meisten essen gegangen sind. Ich habe mit der Tanzlehrerin dann noch den Teil mit dem Pizzakarton optimiert und dann kam einer der schönsten Teile des Tages für mich. Ich ziehe viel Energie aus kleinen Momenten der Ruhe. Als jeder weg war, hab ich mich auf den Boden hinter die Bühne gesetzt und einfach die Atmosphäre aufgesaugt. Momente wie diese, bleiben im Leben unvergessen. Auch wenn es nur ein kleiner Teil meiner Reise war, fühlte es sich innerlich riesig an. Nicht selten schauten wir uns Musicals als Publikum an und jetzt saß ich auf der anderen Seite des Geschehens. Mein Herz war einfach glücklich, wo ich gelandet bin nach einem schwierigen Jahr.
Konzert
Schließlich kamen die Zuschauer und hinter der Bühne wurde es voll. Alles war durch koordiniert und mir war klar, dass ich wieder Zeit hatte. Die Show wurde in zwei Hälften aufgeteilt und ich musste erst zur zweiten Hälfte bereit sein. So fand ich vorher Jenny, um die Vorfreude zu teilen. Ist das schön, wenn deine Person da ist, um dich zu bejubeln. Schließen setze ich mich hinten auf einen freien Platz im Publikum und schaute mir die erste Hälfte an. Mit Zuschauern war es sogar noch besser.
Der Auftritt war dann alles worauf die Gruppe seit Monaten hingearbeitet hat. Letztendlich hat es einfach Spaß gemacht in solch einem großen Rahmen Menschen zu unterhalten. Alles klappte relativ gut, nur bei einer Position, wo die Scheinwerfern mir die Augen ausbrannten, konnte ich kein fröhliches Gesicht bewahren, aber halb so schlimm. Am Ende lief der ganze Auftritt so ab, dass ich mich einfach frei und glücklich fühlte. Das Finale am Ende war dann auch okay, immerhin konnte ich die unendlich langen Reden vorne dann nicht hören und so träumte ich vor mich hin und ließ das Erlebnis auf mich wirken.
Schließlich ging alles schnell. Kostüme würden direkt nach dem Auftritt abgegeben und dann machte ich mich vom Acker. Vorhang zu für mein erstes Konzert.
~Daniel