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Downsides of the Journey

Hintergrund

Seit Ende Jan­u­ar befind­en wir uns in Südafri­ka. Zunächst macht­en wir eine Aus­bil­dung zum Safari Guide und jet­zt sind wir in unser­er Prak­tikum­szeit. Das ganze Aben­teuer hat viele Träume ver­wirk­licht und unser Wis­sen über wilde Tiere und die Natur deut­lich gesteigert. Doch hat dieses Jahr auch seine Schat­ten­seit­en, die zwis­chen aben­teuer­lichen Stun­den im Busch nicht so auf­fall­en. Hier geht es expliz­it um die Dinge, welche uns vor einige Her­aus­forderun­gen gestellt haben, die Down­sides of the Journey.

Ernährung

Die Ernährung war eine per­sön­liche Her­aus­forderung für uns. Wir ernähren uns auss­chließlich veg­an und deswe­gen war die Ernährung im ersten hal­ben Jahr hier eine Katas­tro­phe für uns. Ursprünglich hat­ten wir das mit dem Aus­bilder kom­mu­niziert und sie haben uns mit­geteilt, dass es kein Prob­lem sei. Den­noch haben wir nicht viel erwartet, immer­hin kannst du nicht eine Entwick­lung von der Ver­füg­barkeit von veg­a­nen Pro­duk­ten über­all auf dem gle­ichen Niveau erwarten. So stell­ten wir uns auf eine her­aus­fordernde Ernährung ein und waren über­rascht über die Menge der veg­a­nen Optio­nen in den südafrikanis­chen Super­märk­ten. Natür­lich war es nicht das Paradies wie in Deutsch­land, aber es gab ziem­lich gute Optionen.

Unser Aus­bilder hat es den­noch geschafft uns mit sehr weni­gen Optio­nen zurück zu lassen. Wir mussten regelmäßig dafür kämpfen, dass Pro­duk­te, die sehr ein­fach ver­füg­bar waren, für uns und die anderen Veg­e­tari­er geliefert wer­den. Die Frus­tra­tion war sehr groß, weil unsere Ernährung nicht aus man­ge­len­den Optio­nen schlecht war, son­dern aus Geiz, schlechter Organ­i­sa­tion und Igno­ranz. Wir ver­sucht­en viele Wege der Kom­mu­nika­tion, aber nichts führte zum Ziel. So aßen wir manch­mal Beila­gen, manch­mal unsere eige­nen Snacks und wenn wir Glück hat­ten zwis­chen­durch eine ganze Mahlzeit.

Jet­zt bei unserem Prak­tikum läuft es viel bess­er, weil die sim­plen Optio­nen des Super­mark­ts genutzt werden.

Ausbilder

Unser Aus­bilder, Eco­train­ing, ver­di­ent einen ganz eige­nen Text (fol­gt nach dem Jahr). Die Kurz­fas­sung ist, dass diese Fir­ma chao­tisch, geizig und teil­weise unmoralisch ist. Wir kamen hun­grig nach Wis­sen und Erfahrun­gen. So woll­ten wir von diesem Jahr Offroad­en, Spuren lesen und Ori­en­tierung im Busch ler­nen. Man­gels genü­gend Instruk­toren, funk­tion­ieren­den Fahrzeu­gen, Zeit und Organ­i­sa­tion wur­den manche The­men angeris­sen, aber nicht in der Tiefe gel­ernt, wie gewünscht.

Ich mochte den ersten Teil des Kurs­es, weil ein großes Wis­sens­fun­da­ment gelegt wurde, aber wir bucht­en einen Jahreskurs um auch die ganzen Details vernün­ftig zu ler­nen. Selb­st bei dem essen­tiellen Schusstrain­ing, welch­es am Ende im Not­fall zwis­chen Leben und Tod entschei­den kann, wurde uns nur ein Crashkurs gegeben, mit wenig Möglichkeit­en zum Üben und dem falschen Kaliber um Muni­tion­spreise zu sparen. Es gibt noch viel mehr zu erzählen über den Aus­bilder, aber das würde für diesen Text den Rah­men spren­gen. Zusam­menge­fasst bucht­en wir einen sehr teueren Jahreskurs, damit wir richtig tief ein­tauchen kon­nten und am Ende dacht­en wir häu­fig über einen Abbruch nach.

Safaritourismus

Mit der Aus­bil­dung zum Safari Guide kamen uns explizite Bilder in den Kopf. Du lernst Men­schen auf eine ethis­che Weise durch den Busch zu führen, du zeigst deinen Gästen den Wert der kleinen Dinge im Busch und du bist im Ein­klang mit dein­er Umgebung.
Die Real­ität von der Branche, dem Touris­mus, ist eine andere. Wir macht­en in unser­er freien Zeit einige Safaris in Botswana und im Kruger Nation­al­park. Lei­der wurde die roman­tis­che Vorstel­lung vom Busch auf den Boden der Tat­sachen gebracht. Häu­fig, nicht immer, bret­terst du von einem großen Tier zum näch­sten, ein­mal ein cooles Foto machen und weit­er geht’s.

Abgeschiedenheit

Ein­er mein­er größten High­lights war der Busch, das Leben in Abgeschieden­heit und ohne die Möglichkeit viel von der Außen­welt zu hören. Natür­lich kön­nte ich es auch so ver­suchen, ein­fach ohne Inter­net, aber wenn die Möglichkeit­en da sind, ist es sehr schwierig die Welt auszuschließen. So dachte ich im Busch wür­den wir eine Zeit erleben, wo wir ein­fach gar keine Möglichkeit haben äußere Ein­flüsse zu erfahren. Die Real­ität war ent­täuschend, denn der Busch hat­te Wifi, Geräusche von Fahrzeu­gen vom näch­sten High­way und eine rel­a­tiv gemütliche Dis­tanz zur näch­sten Stadt. Ins­beson­dere in Pride­lands fühlte sich die Zeit nicht wirk­lich wild an, denn die Stadt war nur fünf Minuten entfernt.

Verhältnis Mensch und Tier

Dies ist wieder ein sehr per­sön­lich­er Aspekt, der meine per­sön­lichen Werte wider­spiegelt. Als Guide, so war die Erwartung, bist du im Ein­klang mit der Natur, du bringst sie den Men­schen näher ohne einen neg­a­tiv­en Ein­fluss auf die Tiere zu haben. Doch wenn schon beim Train­ing vorgelebt wird, dass Tiere aus “Lern­grün­den” gestresst wer­den müssen, dann ist doch klar, was die zukün­fti­gen Guides ihren Gästen zeigen wer­den. Der Men­sch ist in der Natur zu Gast bei den wilden Tieren und Tiere sind Lebe­we­sen. Häu­fig wur­den unter­schiedliche Tiere während des Kurs­es gestresst für eine bessere Sicht und ange­fasst oder gefan­gen, um zu “ler­nen”.

Außer­dem müssen manche Men­schen ihre Egos befriedi­gen und sich Tieren wie Ele­fan­ten viel zu nah kom­men. Wenn etwas passiert, welch­es Lebe­we­sen wird dafür bezahlen den armen Men­schen getötet zu haben? Wenn der Ele­fant angreift, weil seine per­sön­lich­es Wohlbefind­en gestört wurde, wird er am Ende wahrschein­lich erschossen. Es war hart für mich fest zu stellen, dass Tiere immer wieder wie das Spielzeug der Men­schen behan­delt wer­den. Doch wenn man ehrlich ist, würdest du gerne von frem­den aus Inter­esse ange­fasst wer­den? Wenn der Men­sch schon die Natur, welche vom Men­schen zer­stört wird, auf­sucht, dann sollte dieser sich auch respek­tvollen einfügen.

Poaching Realität

Wilderei ist ein Grund, warum ich so schnell wie möglich das Aben­teuer in Südafri­ka erleben wollte. Mein Ziel war es wilde Nashörn­er zu sehen, so lange wie es sie noch gibt. Wilderei ist viel bedrück­ender gewor­den, als erwartet. In Makuleke fan­den wir häu­fig Met­al­fall­en für Tiere. All­ge­mein herrscht die Mei­n­ung, dass es bald Nashörn­er nicht mehr in freier Wild­bahn geben wird und bei unserem Prak­tikum mit den Pan­golins (Schup­pen­tiere) lern­ten wir, dass viele Indi­viduen jährlich ster­ben müssen, weil irgendwelche Idioten in Chi­na an heilende Kräfte von deren Schup­pen glauben, die aus dem sel­ben Mate­r­i­al sind wie unsere Fingernägel.

Pangolin

Wir ver­brin­gen sehr viel Zeit täglich mit diesen speziellen Geschöpfen und wieder liegt die Real­ität schw­er im Herzen. Pan­golins wer­den nicht als indi­vidu­elle Lebe­we­sen gese­hen, son­dern viele Men­schen sehen das hohe Preiss­child und nehmen sich das Recht her­aus sie wochen­lang in Ruck­säck­en aufzube­wahren, mit ihnen zu han­deln und sie am Ende zu ermor­den. Die Real­ität mit der wir klar kom­men müssen ist, dass die Men­schheit grausam ist und Stück für Stück diesen Plan­eten mit all ihren unglaublichen Lebe­we­sen ver­nichtet. Am schlecht­en Tagen zieht dieser Gedanke sehr stark an meinem Herzen, an guten Tagen weiß ich, dass es auch gute Men­schen gibt, die für die Leben dieser Tiere kämpfen.

Ist die Natur noch natürlich?

Diese Frage ging mir dieses Jahr häu­fig durch den Kopf. Sie gilt natür­lich nur für Südafri­ka, aber der Grund für diesen Kurs war es eine tief­ere Verbindung zur Natur aufzubauen. Was wir fan­den waren eingezäunte Reser­vate, die zum Beispiel so die Migra­tion von wilden Tieren ver­hin­derten. Diese Reser­vate wur­den vom Men­schen eingezäunt. So entschei­den Men­schen, wie ein Gott, über Leben und Tod, über die Veg­e­ta­tion und Wasserquellen. Im Grund­satz gibt es momen­tan kaum noch real­is­tis­che Alter­na­tiv­en, denn nach all dem Schaden an der Natur vom Men­schen, sieht der Men­sch sich in der Pflicht zu reagieren. Gibt es “zu viele” Ele­fan­ten, weil sie nicht migri­eren kön­nen, dann müssen sie wohl reduziert (ermordet oder umge­siedelt) werden.

So fan­den wir her­aus, dass sich der Rudel Löwen in Karong­we nicht wirk­lich natür­lich weit­er entwick­eln kon­nte. In der Natur müssen die Män­nchen ihr Ter­ri­to­ri­um und ihr Rudel vertei­di­gen, so dass immer die stärk­sten Gene sich durch­set­zen. Für die Män­nchen in dem eingezäun­ten Reser­vat gab es jedoch keine Konkur­renz. Auch Chee­tahs (Gepar­den) lei­den unter den men­schlichen Ein­flüssen. In einem dicht bewach­se­nen Reser­vat wie Karong­we gehören sie nicht hin, weil sie zum jagen offene Felder brauchen. Die kün­stlichen Wasser­löch­er, damit die Tiere sich an einem Ort für die Touris­ten aufhal­ten, stören die natür­liche Ord­nung ebenfalls.

Dieses Jahr ver­lor ich viel von mein­er Vorstel­lung von der Welt. Ich wusste natür­lich, dass vieles nicht gut läuft, aber als ich Natur suchte und her­aus­fand, dass der Men­sch selb­st in der wenig verbliebe­nen Natur noch alles manip­uliert, war die Ent­täuschung über die Real­ität groß. Die Hoff­nung ist weit­er­hin da, dass es noch natür­liche Fleck­en auf der Welt gibt, die nicht vom Men­schen beschädigt sind, aber diese gilt es erst ein­mal zu finden.

Fazit

Die Down­sides dieses Jahres basieren sehr auf per­sön­lichen Werten. Moralis­che Vorstel­lun­gen kön­nen sich unter­schei­den und dies ist ein­fach meine per­sön­liche Erfahrung. Ich denke für ein Aben­teuer braucht es Höhen und Tiefen, um daraus zu ler­nen und zu wach­sen. Dieses Jahr hat mir auch viele pos­i­tive Erfahrun­gen gebracht und Träume erfüllt, doch die Schat­ten­seit­en gehören zu dieser Geschichte dazu. Zum Glück lern­ten wir auch Men­schen ken­nen, deren Herz genau­so und mehr für die Wild­nis bren­nt und neben Hoff­nung ist dies, was wir tun kön­nen, für die Lebe­we­sen und Erhal­tung der Leben­sräume zu kämpfen. Am Ende bleibt die Erfahrung und die Lek­tio­nen in unserem Herzen und wir hof­fen damit wach­sen zu können.

~Daniel

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