Hintergrund
Im Dezember hatten Jenny und ich Adventskalender füreinander. Während unserer Cape to Cape Wanderung kamen wir bei Hamelin Bay vorbei und dort bekam ich eines meiner Türchen, eine Dip-Challenge für 100 Tage bzw. entschieden wir uns für 101 Tage so, dass die Challenge an meinem Geburtstag enden würde. Letztendlich wurden es sogar 145 Tage. Wir hatten diese Challenge schon lange im Blick und endlich wagten wir uns ran.
Unsere Regeln
Wir haben uns die Dip-Challenge so ausgelegt, dass sie uns herausfordert, aber im Gleichgewicht mit unserem Leben steht. Als erstes beschlossen wir, dass unser Hauptziel der Ozean war, wir jedoch auf Pools ausweichen könnten, wenn die Fahrt zum Ozean schwer umzusetzen sei. Dies zielte Hauptsächlich auf unser Alltagsleben ab, weil wir spontane Jobs haben, die manchmal stark Zeitversetzt sind und wir dennoch das meiste von der Challenge zusammen machen wollten. So war es für uns okay, wenn Jenny nach einem vollen Tag um 23 Uhr nachhause kam und ich am nächsten Tag früh raus musste, wenn wir abends in den Pool vom Haus sprangen. Außerdem zogen wir eine Grenze bei Gesundheit. Folglich setzten wir einige Tage aus, während wir krank waren. Wir wissen für uns, dass wir das Mindset haben, um etwas durchzuziehen, aber wir haben auch gelernt, dass der Zweck solch einer Challenge nicht ist sich selbst zu schädigen. Zum Glück gab es nur eine kleine Phase, wo wir beide nacheinander krank wurden.
Erlebnisse
Die Dip-Challenge stellte uns nicht nur vor Herausforderungen, sondern ermöglichte uns viele Erlebnisse. Eine Sache, die wir schon vom Reisen kennen: Je häufiger du raus gehst, desto mehr erlebst du. Einfach, aber genial! Durch die Challenge waren wir jeden Tag draußen und haben einige coole Momente gehabt.
Pelikane
Pelikane gehören zu unseren Lieblingstieren. Manche Lebewesen haben eine besondere Verbindung oder Bedeutung für uns und Pelikane tauchten immer wieder während unserer Reisen zu speziellen oder wichtigen Momenten auf. Während unserer Dip-Challenge hatten wir häufig das Glück Pelikane vom Strand aus beobachten zu können. Besonders bei den Jetties in Coogee.
Regen
Wenn du jeden Tag im Ozean schwimmen gehst, dann machst du es bei Wind und Wetter. Die meisten Tage in Perth sind sonnig. Doch zum Ende der Challenge ging es Richtung Winter. An einem späten und kalten Nachmittag brach der Regen über uns ein, während wir im Wasser waren. Kaum ein Mensch am Strand und wir waren sowieso nass und kalt. So hatten wir einfach Spaß und Freude bei einem Wetter, wo man am liebsten sich auf sein Sofa zuhause verkrümelt. Besonderes Jenny konnte nicht anders, als aus vollem Herzen zu lachen.
Sommergewitter
Neben den kalten Regenerlebnissen hatten wir auch einige Sommergewitter. Einer der schönsten Dips war für mich in einer kleinen Gewitterpause an einem stürmischen Tag. Draußen war es warm, aber der Himmel war dunkel eingefärbt, fast schon bedrohlich. Wir liefen zu Fuß zum Strand und der Kontrast von Himmel zum wunderschönen hellen Strand war wunderschön. Der blaue Ozean und der weiße Strand waren wie der strahlende Mond in der dunkeln Nacht.
Strandspaziergänge
Wir wollten die Dip-Challenge nutzen, um im Sommer das Paradies, wo wir leben, mehr wert zu schätzen. Häufig verlieren außergewöhnliche Orte das besondere Etwas, wenn du sie alltäglich siehst. Uns ist sehr wichtig, dass wir den Ozean und Australien nicht für selbstverständlich nehmen. Folglich wollten wir unsere Schwimmrunden mit Erlebnissen verbinden. So nahmen wir uns die Zeit mehr Strandspaziergänge einzubauen. Dies war einer der größten Bereicherungen von der Dip-Challenge. Einfach am Strand entlang schlendern, die Sonne auf der Haut genießen und wenn es zu warm wird, ab ins Wasser.
Sonnenuntergänge
Die spektakulärsten Dips fanden in der goldenen Stunde statt. Nichts ist besser als atemberaubende Sonnenuntergänge im Wasser zu schauen. Wenn der Himmel sich bunt einfärbt und es diesen einen wundervollen Moment des Friedens gibt und jeder um dich herum mit strahlenden Augen den Tag verabschiedet. Absolute Definition von „living the dream“.
Neue Strände
Durch die Dip-Challenge lernten wir auch neue Strände und Orte kennen. Für unsere Reiseherzen genau das richtige. Selbst in der gleichen Stadt, die wir schon seit vielen Jahren kennen, kann man noch neue Orte finden wenn man seine bubble verlässt. Einige der neuen Stränden waren nicht der Hit, bei Quinns Rocks waren die Wellen teilweise zu hoch und alles war voll mit Algen. Dafür war der Strand in Rockingham und Whitford ein voller Erfolg.
Kommentare von Fremden
Typisch für Australien und eine kleine Motivation waren positive Kommentare von fremden Menschen am Strand. Besonders im Winter war es einfach schön, wenn irgendjemand einfach Worte des Lobes sprach. Manchmal gab es auch kleine Unterhaltungen oder lustige Momente. Nach einem Dip an einem sehr kalten Tag ging ich an einer Frau vorbei, die telefonierte. Im Vorbeigehen nahm sie das Telefon vom Ohr schaute mich an und sagte „Well done“. Einfach cool wie positiv die Menschen hier drauf sind.
Wasserplattform und Wellenhüpfen
Viel im Wasser, viele Chancen, um kindisch zu sein! Wir nutzen unsere Dips auch, um in den Wellen zu hüpfen, was nicht immer gut endete. Immerhin wurde Jenny einmal so heftig von einer Welle mitgenommen, dass sie den halben Sand vom Strand mit nach Hause nahm. Außerdem haben manche Strände in Perth kleine Plattformen im Wasser. Wir schwammen manchmal raus und sprangen ins Wasser. Diese Challenge brachte viele Momente der Freude.
Rochen
Unser erster Tag der Challenge ging schon spannend los. In Hamelin Bay sahen/ schwammen wir mit Stachelrochen im Wasser. Generell waren die Strände am Cape to Cape ziemlich wild und spektakulär. An der Stelle möchte ich empfehlen den Margaret River Mouth zu besuchen.
Dip mit unserem Beagle
Während wir in Perth leben, sind wir immer noch sehr aktiv mit Housesittings, weil wir keine feste Wohnung mieten. Inzwischen haben wir auch eine Stammkundschaft und dazu zählt auch unser Liebling, Morris the beagle. Er ist ein sehr verwöhnter Hund, der gerne in die Sauna geht und lange Spaziergänge mag. Während er Strandspaziergänge liebt, kann Morris Wasser überhaupt nicht ausstehen. Manchmal verbanden wir die Challenge mit unseren Spaziergängen. Während wir im Wasser planschten, blieb Morris am sicheren Ufer und bellte uns zwischendurch hinterher.
Bremer Bay
Eine der größten Herausforderungen der Dip-Challenge waren Reisetage. Im März fuhren wir mit einer Freundin nach Bremer Bay. Dort mussten wir dann auch ran. Nach einer sehr langen und anstrengenden Bootsfahrt (für die Orcatour), war der Gang ins Wasser eine absolute Willensleistung. Draußen war es kalt und der Eingang zum Wasser war sehr klein und rutschig. Aber auch diese Herausforderung wurde gemeistert.
Dip mit einer Freundin
Mit gehangen mit Gefangen. Zwischendurch nötigten wir eine gute Freundin aus Deutschland dazu mitzumachen. Gruppenzwang funktioniert auch mit nur drei Personen. Letztendlich hatte es aber immer spaß gemacht, selbst an einem kühlen Abend zum Sonnenuntergang.
Scarbs Latin Dancing
Zwischendurch entdeckten wir Strandevents zur später Stunde. Eines Abends waren wir in Scarborough erst laufen dann schwimmen. Wir kamen am Amphitheater vorbei und sahen dort eine Latin Dance Class aufgebaut. Auch wenn wir nicht direkt teilnehmen konnten, stellten wir uns zur Seite und tanzten für uns.
Hochzeitstagspecial
An unserem Hochzeitstag gab es einen ganz besonderen Dip. In Hillarys schauten wir uns den Sonnenuntergang an, dabei schenkte ich Jenny mein Hochzeitstag Geschenk. Danach hatten wir eine Farbschlacht mit den gleichen Kreidebomben wie bei der Hochzeit und gingen schließlich, Jenny im Hochzeitskleid und ich im Hochzeitshemd, schwimmen. Wir konnten nicht mehr vor Lachen und strahlen.
Schnorcheln in Mauritius
Die beste Phase der Dip-Challenge war unsere Mauritiusreise. Mit tropischen Wassertemperaturen fiel es uns sehr leicht jeden Tag in Wasser zu gehen. Wir entwickelten sogar eine Routine, wo wir vor dem Frühstuck gegen sechs am Strand waren, dort schnorchelten oder schwammen und dann uns frisches Baguette aus dem Supermarkt holten. Das Wasser war immer schön warm, wir konnten einige coole Fische sehen und wegen der Regensaison hatten wir auch einige angenehme Dips mit dem starken Duft von frischem Regen.

Runclub
Viele unserer Schwimmrunden verbanden wir mit einem lokalen Lauftreff. In Perth gibt es viele Gemeinschaften, wo viele junge, aber auch ältere Leute, sich für Aktivitäten versammeln, die ein gesünderes und sozialeres Leben ermöglichen. Mit der Laufgruppe trafen wir uns so häufig, wie unsere Jobs es zuließen. Dann liefen wir unsere 30 Minuten und kühlten uns dann im Ozean ab. Danach gab es meistens ein Picknick auf der Wiese.
Skaten, Picknick und Dip
Einmal verbanden wir unseren Dip mit einem Date in Rockingham. Erst fuhren wir auf Rollschuhen entlang der Küste, dann machten wir uns ein schönes Picknick am Park. Schließlich, kurz nach Sonnenuntergang, ging es mit Kälte in der Luft ins Wasser. Erst war es schwer die Kälte zu überwinden, doch spätestens im Wasser ging es völlig in Ordnung.
Momente des fast Scheiterns
Sich für eine lange Zeit zum täglichen Wassergang zu committen, brachte einige Momente mit sich, wo wir echt kein Bock hatten, das kleine Extra auch noch zu machen. Besonders Tage, wo wir viel zu tun hatten oder versetzt gearbeitet haben und wir dann noch um 23 Uhr schnell zum Strand oder zum Pool sind, um die Challenge am Leben zu halten, auch wenn wir schon halb verschlafen waren. In anderen Momenten hatten wir auch kein Bock die noch nassen Schwimmen Sachen anzuziehen. Nicht selten flitzten wir um 5 Uhr morgens oder 22 Uhr abends nackig in den Pool. Dies war die gängige Lösung für sehr lange Tage oder auch unseren Flugtag, wo wir bereits morgens zum Flughafen aufbrechen mussten. Die aller härtesten Tage der Challenge waren im letzten Monat, der Einbruch des Winters. Weniger Helligkeit, weniger Sonner und mehr Kälte. In diesem Monat war es eine Willensleistung, im Dunkeln bei frischen Temperaturen ins frostige Wasser zu springen. Nicht selten wollten wir die Challenge an diesen Tagen sein lassen, aber wenn du einmal drin bist, dann willst du auch nicht aufgeben. Letztendlich wählten wir das Ende unserer Challenge an Tag 145, weil uns der letzte Monat der Challenge keine Freude mehr brachte. Wir sahen, dass wir uns dazu bringen können auch bei kalten Temperaturen durchzuhalten, aber ab diesem Punkt brachte es uns keinen Mehrwert. Wir hätten es wahrscheinlich fortgesetzt, wenn es eine Aussicht gegeben hätte, die Dip Challenge länger am Leben zu halten, aber für uns stand ein Trip in die Heimat auf dem Programm. Folglich wäre es spätestens in Deutschland zu Ende gegangen.
Erkenntnisse
Die Dip-Challenge hat uns überraschend viel Spaß gemacht und auch sehr viel gebracht. Während wir seit einiger Zeit mit Disziplin in manchen Aspekten nachgelassen haben, hat uns die Challenge gezeigt, dass wir immer noch selbst gesteckte Ziele erreichen können, wenn wir mit vollem Herzen dabei sind. Außerdem lernten wir wieder die kleinen Momente des Tages zu schätzen. Manchmal ging im Alltagsleben unter, dass wir an einem Traumort leben, aber durch das bewusste Besuchen der Strände, hatten wir unser Glück täglich vor unseren Augen. Zusätzlich hat die Challenge eine alte Reisetheorie bestätigt: Je mehr du raus gehst, desto mehr kannst du erleben. Viele Erlebnisse wären ohne diese Challenge an uns vorbei gegangen und so hatten wir einen magischen Sommer mit vielen spaßigen Stunden am Strand. Letztendlich war die Dip-Challenge ein tägliches Ritual, ein Moment für eine simple Aktion, die aber häufig weitere Abenteuer nach sich zog. Ich bin mir sicher, dass wir diese Challenge wiederholen werden und wir können sie jedem sehr empfehlen.
~ Daniel