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Menschen auf Reisen

Wir sind vier Jahre in Aus­tralien gereist, waren für drei Monate in Europa. Danach sind wir für ein Jahr nach Südafri­ka aufge­brochen, bevor wir zu unserem Hap­py-Place Aus­tralien zurück­gekehrt sind. In fünf Jahren waren wir zweiein­halb Monate in der Heimat. In diesem Blog­beitrag möchte ich darüber sprechen, wie es mit Men­schen, men­schlichen Inter­ak­tio­nen, Fre­un­den und Fam­i­lie auf Reisen aussieht.

Wir sind in der außeror­dentlichen Sit­u­a­tion, dass wir als Paar reisen. In den fünf Jahren — jet­zt schon sechs, da wir schon seit einem wieder in Aus­tralien leben — haben wir uns sehr sel­ten aufgeteilt oder aufteilen müssen. Am Anfang haben wir alles zusam­men gemacht, dann gab es unter­schiedliche Aktiv­itäten, wie Hob­bies, die getren­nt stat­tfan­den. Zwei Mal ist Daniel von der Arbeit eher zurück nach Perth geflo­gen oder später gekom­men (FIFO). Dieses Jahr wurde es mehr und mehr Zeit getren­nt. Daniel musste in die Uni und ich war arbeit­en, dazu kamen noch getren­nte Hob­bies. Die läng­ste Zeit, die wir getren­nt ver­bracht haben war im let­zten deutschen Som­mer, als wir die Fam­i­lie besucht haben. Daniel kon­nte lei­der nur für knapp drei Wochen kom­men, wegen sein­er Unife­rien. Ich hinge­gen blieb zwei Monate.

Menschen

Andere Reisende waren auf dem Weg immer dabei. Die Schlaf­plätze so gut wie nie ver­lassen. Meis­tens gab es fre­undliche Inter­ak­tio­nen oder mal einen Plausch über die Reise. Es war angenehm, nicht auf­dringlich, ein­fach sich zurück­zuziehen, wenn du woll­test. All­ge­mein haben die Aus­tralier aber eine Art und Weise, die ein­fach zu einem Gespräch einlädt.

Die einzige Sit­u­a­tion, die die Men­schen voneinan­der fern hielt war Covid. Während­dessen und auch danach macht­en wie Men­schen gerne Bogen umeinan­der. Es war schw­er­er miteinan­der ins Gespräch zu kom­men, vor allem auch weil sich die Reisekul­tur kom­plett verän­dert hat­te. Es gab kaum noch Back­pack­er, dafür aber jede Menge Aus­tralier, die mit ihren Wohn­wa­gen die High­ways und Schlaf­plätze verstopften.

Menschliche Interaktionen

So ende­ten die net­ten Gespräche nicht sel­ten in einem geteil­ten Aben­dessen, Lager­feuer oder ähn­lichem. Hier möchte ich einige Sit­u­a­tio­nen teilen, die mir in Erin­nerung geblieben sind.

An einem Tag hat­ten wir zum Son­nenun­ter­gang ger­ade eine Wan­derung mit Schn­abeltier­beobach­tung absolviert, als wir nach den Bedin­gun­gen gefragt wur­den von zwei anderen Reisenden. Er war Fotograf und wollte noch ein paar Fotos schießen. Nach einem kurzen Gespräch einigten wir uns, dass wir auf sie warten wür­den, da er einen Schlaf­platz ganz in der Nähe kan­nte. Dort kocht­en wir Aben­dessen und unter­hiel­ten uns bei Snacks. Fun Fact: Nur sie trafen wir Wochen später in Syd­ney mit einem anderen Fahrzeug und ein­er anderen Reise­be­gleitung durch Zufall wieder.

Ein anderes Mal lern­ten wir einen Mann auf Tas­man­ien ken­nen, der einen wirk­lich großen, gut aus­ge­baut­en Van fuhr und unglaublich viele Hob­bies hat, wie Kayak fahren oder tauchen. Er zeigte uns seinen Van und erk­lärte uns einiges von der Tech­nik. Ein klein­er Traum, vor allem wenn du bedenkst, dass wir zu zweit in einem Auto unter­wegs waren. Densel­ben Mann sahen wir im Nor­den von Wes­t­aus­tralien Monate später wieder. Wir trafen ihn am Anfang und Ende unseres 8‑monatigen Road­trips. Wie ver­rückt ist das bitte?

Auf Tas­man­ien gab es einen Abend, ich weiß nicht genau, wie dieses Lager­feuer zus­tande kam, aber der ganze freie Camp­ing­platz hat­te ein Lager­feuer zusam­men, jed­er hat sein eigenes Essen gekocht, es stand frei zu teilen. Es gab Geschicht­en und zwei Män­ner, die sich nicht kan­nten, san­gen und spiel­ten Gitarre zusam­men. Es war magisch.

Einen Mor­gen lern­ten wir ein anderes deutsches Paar ken­nen, nach einem kurzen Gespräch entsch­ieden wir uns gemein­sam auf eine Wan­derung zu gehen. Es war spaßig, aber danach ging jed­er sein­er Wege und wir haben sie nie wieder gese­hen. Solche Sit­u­a­tio­nen gibt es sehr häu­fig. Am Anfang fiel es uns sehr schw­er zu dif­feren­zieren, warum wir uns gut mit Men­schen ver­standen, aber danach nichts mehr miteinan­der zu tun hat­ten. So ist es oft auf der Reise, jed­er hat einen anderen Plan und nicht jed­er ist daran inter­essiert Fre­unde zu finden.

Ich kön­nte hier jet­zt noch weit­ere Sit­u­a­tio­nen aufzählen, aber ich glaube der Kern mein­er Aus­sage ist klar gewor­den. Mit der Zeit haben wir gel­ernt diese beson­deren Momente als solche im Herzen zu behalten.

Freunde

Fre­unde auf Reisen zu find­en, finde ich sehr schwierig. Wir sind nicht beson­ders gut darin und es hat immer bess­er geklappt, wenn wir länger an einem Ort waren.

Mit einem anderen Paar hat­ten wir uns über Insta­gram verabre­det zusam­men zu einem Markt zu gehen an einem Woch­enende in Mel­bourne. Nach ein­er anfänglichen Ver­legen­heit — wir kan­nten uns von Insta­gram, hat­ten aber noch nie per­sön­lich Kon­takt — lief es wirk­lich gut. So gut, dass wir das ganze Woch­enende miteinan­der ver­bracht­en. Auf­grund ver­schieden­er Reise­pläne ver­loren wir uns wieder aus den Augen, bis kurz vor unserem Abflug in 2023, wo wir uns noch ein­mal zu einem gemein­samen Früh­stück trafen. Auch hier passte es wieder her­vor­ra­gend. Mein­er Mei­n­ung nach hätte sich daraus eine unglaubliche Fre­und­schaft entwick­eln können.

Auf der Arbeit (FIFO) trafen sowohl Daniel als auch ich jew­eils Men­schen mit denen wir gut klar kamen. Mit diesen trafen wir uns auch abseits der Arbeit und unter­nah­men vor Ort Dinge vor oder nach der Arbeit. Durch den unter­schiedlichen Lebensstil wurde aber auch daraus lei­der nichts. Wir ver­ließen das Land und auch nach­dem wir wieder zurück­kehrten hat­ten wir noch Kon­takt, aber der FIFO Lebensstil lässt nicht viel Zeit über (die anderen Per­so­n­en machen immer noch FIFO).

Durch Zufall kamen wir in Kon­takt mit ein­er Klassenkam­eradin von Daniel, die ein Aupair in Port Hed­land gemacht hat. Es endete damit, dass wir die näch­sten Aupairs in der gle­ichen Fam­i­lie wur­den. Dort hat­ten wir kaum Kon­takt und auch danach wenig. Erst als sie nach Perth zog wurde der Kon­takt mehr und sie stimmte zu unsere Trauzeu­g­in zu sein. Seit­dem sind wir befre­un­det. Die Fre­und­schaft über­lebte sog­ar das Jahr, wo wir in Südafri­ka waren ohne Schaden. Es ist eine dieser Fre­und­schaften, wo es sein kann, dass eine Per­son einen Monat braucht, um auf eine What­sApp Nachricht zu antworten, aber sich­er ist, eine Antwort bekommst du bestimmt.

In Südafri­ka fre­un­dete ich mich mit ein­er weit­eren Langzeitvol­un­tärin an. Wir ver­standen uns gut, gin­gen zusam­men shop­pen, lack­ierten uns die Nägel, spiel­ten Brettspiele usw. Ein­mal nahm sie sich eine Auszeit in einem Hotel in der Nähe und lud mich ein, sie dort eine Nacht zu besuchen. Wir hat­ten großen Spaß. Als ich im Dorm wohnen musste ver­bracht­en wir die Abende zusam­men. Als Daniel seinen Pan­golin Bis­cuit auswildern ging, zog sie zu mir ins Zelt. Wir heul­ten bei­de, als Daniel und ich Südafri­ka verließen.

Dann fin­gen die zwanzig bis dreißig minüti­gen Sprach­nachricht­en an. Wir disku­tierten alles und nichts, hiel­ten uns auf dem Laufend­en. Von Deutsch­land aus besuchte ich sie in der UK. Wir ver­bracht­en einige spaßige Tage. Lei­der merk­ten wir auch sehr schnell, dass uns die Umge­bung in Südafri­ka fehlt. Die Fre­und­schaft war anders und seit­dem habe ich außer weni­gen Nachricht­en an den Tagen nach meinem Rück­flug nichts mehr von ihr gehört.

Ich fahre Rollschuh. Das ist mein neues Hob­by. Dementsprechend nahm ich an ein­er “Learn to skate les­son” teil, Ska­te­un­ter­richt in ein­er Halle. Mein Skatelehrer war sehr fre­undlich, hat meine Skates richtig eingestellt, mir Sachen beige­bracht und vernün­ftig erk­lärt. Außer­dem hat er mich zu einem freien Out­doorskat­ingtr­e­ff ein­ge­laden. Dort gehe ich seit­dem regelmäßig hin. Ich traf ihn dort wieder und wir fre­un­de­ten uns an. Es ent­stand eine gute Fre­und­schaft bis auch diese den Bach runterging.

Familie

Natür­lich haben wir regelmäßig Kon­takt mit unseren Fam­i­lien. Lei­der ist es nicht immer so ein­fach Ter­mine für Tele­fonate zu find­en, die Zeitver­schiebung macht es nicht ein­fach. Ger­ade mit der Kern­fam­i­lie klappt es aber ganz gut. Manch­mal tele­fonieren wir jede zweite Woche, manch­mal für einen Monat oder zwei fast gar nicht. Unsere Schwest­ern zu erwis­chen scheint beson­ders schwierig zu sein, weil sie bei­de viel zu tun haben. Auch die ältere Gen­er­a­tion zu erre­ichen ist oft nicht ein­fach und dementsprechend sel­ten, lei­der. Dafür ver­suchen wir viel Zeit mit ihnen zu ver­brin­gen, wenn wir vor Ort sind.

Mit der weit­eren Ver­wandtschaft wer­den immer mal wieder Whats App Nachricht­en aus­ge­tauscht. Meis­tens passiert dies haupt­säch­lich zu bes­timmten Anlässen, wie Geburt­stage oder Wei­h­nacht­en. Die Lebensstile sind so unter­schiedlich und alle sind von ihrem eige­nen Leben ein­genom­men, was wir kom­plett nachvol­lziehen kön­nen. Die Dynamiken haben sich ein­fach verän­dert. Dadurch, dass wir so weit weg leben, ver­passen wir auch viele Ereignisse, wie der ersten Mai, Geburt­stage, das Pfin­gst­camp oder Weihnachten.

Fazit

Es hängt ganz von dir selb­st ab, wie “alleine” du auf dein­er Reise bist. Es ist dur­chaus möglich Fre­unde zu find­en, Kon­takt zu hal­ten oder auch eng mit der Fam­i­lie zu sein. Für uns ist das Meiste davon schwierig. Wir wollen dem­nächst ver­suchen anstelle von einzel­nen Fre­un­den Com­mu­ni­ties, also Grup­pen zu find­en. Bald gehen wir zu einem Run­ning Club. Wir sind gespannt.

 

~ Jen­ny

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